16.05.08

Steven Segal

15.05.08

Hakudo Nakayama Sensei

Risuke Otake Sensei

Koretoshi Maruyama Sensei

Aus der Tiefe des Raumes...

Ja, ich habe Urlaub. Tolle Sache, das, besonders die Tatsache, alles mal ruhiger angehen zu können als sonst und endlich meine ungemein nervige Trommelfellentzündung zu kurieren und dabei schön entspannt durch die eigene DVD-Sammlung zu surfen.

Dabei habe ich mir zum wiederholten Male zwei schöne Klassiker angetan: zum einen "Yojimbo" von Akira Kurosawa mit Toshiro Mifune und zum anderen "Zaitoichi" von und mit Takeshi Kitano. Unterschiedlicher können zwei Filme wohl kaum sein. Der erste ein echter jidai geki allererster Klasse in guter alter Abenteuerfilmmanier (und natürlich in schwarzweiß), der zweite ein Spiel mit und über Rhythmus sowie Schein und Sein.

Damit bricht die Filmkritik auch schon ab.

In beiden Filmen ist mir jeweils eine Szene aufgefallen, die ich erwähnen möchte.

Gegen Ende von "Yojimbo" legt sich Mifune in einem großen Showdown mit dem Hauptbösewicht des Films an. Auf einem Platz stellt er sich seinem pistolenbewehrten Gegner und bringt ihn zur Strecke - mit Dolch und Schwert! Interessant ist, wie sich Mifune seinem Gegner nähert: er läuft für den begrenzten Raum recht weite Strecken und umgeht die Gefahr der Pistole mehrfach bis er eine günstige Distanz für den finalen Schwertstreich erreicht hat! Wow!

Mitten in "Zaitoichi" gibt es eine Szene in einem kleinen Sakelokal. Kitano (als blinder Masseur Zaitoichi) sitzt an einem Tisch und trinkt sake, während ein ronin, der sich aus Geldmangel einer Verbrecherbande angeschlossen hat, das Lokal betritt und beim Wirt sake ordert. Kitano nutzt die Gelegenheit, auch für sich noch ein Fläschchen nachzubestellen. Als der Wirt den Reiswein an die Tische bringt, fällt ihm Kitanos Blindenstab ins Auge und er hebt ihn auf. Dabei rutscht aber das darin verborgene Langschwert zu allgemeinen Überraschung heraus. Der ronin wittert Gefahr und in nullkommanichts ziehen beide ihre Klinge. Dabei blockiert Kitano geschickt das nicht vollständig gezogene Schwert des ronin und hat ihm dabei den unteren Teil seiner Klinge auf die Brust gelegt. Dazu sagt er, der Blinde:"Der Raum ist zu klein, um ein Schwert zu ziehen." Eine ganz große Szene! (Übrigens hier ein Hinweis: die Tatsache, daß der ronin den unteren Teil der Klinge auf der Brust hat, zeigt, das er das Duell verloren hat und sein Leben von Kitanos Gnade abhängt. Er weiß also schon vor dem finalen Duell am See, daß er verloren hat/ist!)

Warum erzähle ich Dinge, die sich jeder selbst ansehen kann? Tja, weil mir während meiner Übungen immer wieder ein paar Dinge aufgefallen sind, so das oftmals ausnehmend schlecht Gefühl für ma, den Raum. Ich erinnere mich gerne zurück, als ich ein paar Aikidoschüler auf ihre Prüfung zum Vierten kyu vorbereitet habe und sie immer wieder zurück in das Zentrum der Übungsfläche geholt habe. Und trotzdem bewegten sie sich zielsicher bei jedem neuen Probedurchgang in Richtung Wand.

Beim iai sehe ich das auch recht oft. Sensei sagt: "jeder nimmt sich eine Ecke und übt das und das". Das meint er natürlich im übertragenen Sinn; jeder soll sich einen Platz suchen, auf dem er genug Raum zum Üben hat.

Natürlich hat Raum auch sehr viel mit Wahrnehmung zu tun. Wer kennt es denn nicht, daß er bei verschiedenen kata auf einem Seminar mehr damit zu tun hat, auf seine Mitschüler zu achten, um nicht getroffen oder verletzt zu werden. Wie weit ist es da mit der Wahrnehmung des Raums gediehen?

Ma ist nicht nur ein physisches Konstrukt. Bevor so manch einer zum bokken, zum iaito oder zum katana, einer beliebigen Übungswaffe greift oder auf waffenlos übt - nimm erst einmal den Raum wahr, in dem du dich bewegst!

24.04.08

Und Du kommst auch drin vor!

So heißt das wohl bekannteste Buch des verstorbenen niederrheinischen Kabarettisten und Geschichtenerzählers Hanns Dieter Hüsch. Der Titel war schon absichtlich so gewählt, denn Hüsch verstand es wie kein zweiter, dem Niederrheiner an sich ziemlich genau auf´s Maul zu schauen, so daß sich jeder irgendwo darin wiederfinden konnte. Im Falle Hüschs schmunzelten sich die Leser in sich hinein, fühlten sich ertappt und loben bis heute sein grandioses Talent. Keine Frage: Hüsch war ein anerkannter (Klein-)Künstler.

Bei bloggenden Kampfkünstlern sieht das wohl anders aus. Schnell findet sich der eine oder andere "Kritiker", der umgehend an der Qualifikation, dem entsprechenden Rang oder was sonst so zur Hand ist Zweifel hegt. Dabei bin ich mitnichten perfekt. Und weil ich nicht perfekt bin, führe ich diesen Blog.

Vieles, über das ich so schreibe, fällt mir auf (meist auch an mir) und auf die Weise des Niederschreibens kann ich solche Dinge besser für mich selbst vertiefen. So ist jeder Leser und/oder Abonnent ein Zeuge meiner eigenen Entwicklung und Erfahrung. Das ist mein Schatz und ich bin bereit, den Leser daran zu beteiligen.

Ich hege die Hoffnung, daß diejenigen, die versuchen, mich mit Hohn und Spott oder auch unangemessen scharfer (vielleicht gutgemeinter) Kritik bedenken, anfangen, selbst reflektiert und mit offenen Augen sowohl durch das tägliche Lebens als auch durch die Übung zu gehen. Wenn sich jemand "angesprochen" fühlt, sollte er darüber nachdenken, warum das so ist. Denn vielleicht kommt auch er drin vor.

14.04.08

Angemessen Maße messen...

Welche Messlatte muß ich anlegen? Was ist angemessen? Nach welchen Maß muß ich mich richten? Ist es vermessen, darüber nachzudenken?

Genug der lustigen Wortspiele; die fünf Euro für die Wortspielkasse habe ich auch schon gelöhnt! Und doch - man sollte über solche Dinge nachdenken, besonders, wenn man Kampfkünste betreibt!

Ich muß zugeben, daß es recht schwer ist, hier in Deutschland eine angemessene Anleitung zu bekommen. Wenige dojo haben einen direkten Draht nach Japan, um sich von dort instruieren und inspirieren zu lassen. Japanische Lehrer sind oft froh, der heimischen Strenge zu entkommen und die westliche Offenheit gebießen zu dürfen. Und nicht nur dadurch sind "unsere" Lehrer und Schüler von einem gewissen "laissez-faire" beseelt, das in manchen Fällen außer Kontrolle gerät.

Diejenigen, die das seltene Glück hatten (oder noch haben werden), in einem klassisch geführten dojo, beispielsweise in Japan, zu üben, wissen, daß dort einige Dinge anders laufen. Sensei zum Beispiel, wird immer mit sensei angesprochen, auf, neben oder kilometerweit entfernt von jeglicher Matte. Auch die Verbeugung wird öfter "praktiziert" als bei uns. Das Verhalten der Schüler untereinander ist sehr viel höflicher, Schriftverkehr entspricht immer einer Form. (Ok, auch ich habe, besonders was das Verhalten untereinander angeht, andere Dinge gehört. Bezeugen kann ich das nicht, da meine Erlebnisse grundsätzlich anderer Natur waren!)

Wir hier in Deutschland können uns jetzt nicht auf Deibel komm ´raus "japanisieren", aber wir können einen Schlüssel anwenden, der universaler gar nicht sein kann: REI! Wie ich schon einmal hier geschrieben habe, ist rei ein fester Bestandteil der Übung. Und das ist auch der Schlüssel, mit dem ich alles inner- und außerhalb des dojo in die Form bringen kann, die etwas oder jemand verdient. Ein "Hömma, wir mach´n ´n Lehrgang, kommste auch?" steht in einem krassen Gegensatz zu "Wir richten ein Wochenendseminar aus und würden uns freuen, Dich im dojo begrüßen zu dürfen" - wieviel rei ist jeweils enthalten? Sprache, Zusagen für Tatigkeiten oder Materialien, Verhalten, Erscheinungsbild, Pünktlichkeit, innere Einstellung, - alles ist von rei geprägt.

Leider scheint das Vergessen immer weiter um sich zu greifen. Es wird Zeit, die Wichtigkeit von rei weiter zu verbreiten, für Dich, für mich und für alle anderen. Rei ist kein Anhängsel der Kampfkunst, welches hingenommen wird. Es ist ein Grundbestandteil des Daseins.

Und, was ist? Machst Du mit?

Freiheit für das rei! Weg mit der Tubenmentalität!